Ortsverein Burgtor

Kreisverband Lübeck

14. November 2015

Allgemein/Beschlüsse/Europa
Appell an Pariser Gipfel: Klimaschutzziele einhalten!

By: Karl-Ludwig Poggemann - CC BY 2.0

Wir fordern die Bundesregierung auf, sich beim Klimaschutzgipfel in Paris am 30.11.2015 nachdrücklich, konsequent und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, die Erderwärmung auf ein Maximum von 2 C zu reduzieren und die negativen Umwelteinflüsse, wie in den Berichten des Umweltbundesamtes, „Daten zur Umwelt 2015 – Umwelttrends in Deutschland“ vom 01.08.2015, und der Europäischen Union, „The European Environment State and Outlook 2015 Synthesis Report“, dargestellt, zu reduzieren. Sie soll die in diesen Berichten vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen, um den schon jetzt statt findenden und weiter zu eskalieren drohenden Klimawandel aufzuhalten, einzudämmen und den Fortbestand der Artenvielfalt und das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten zu sichern. Die bisher getroffenen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, reichen aber nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen, so der Bericht des Umweltbundesamtes vom 01.08.2015. Die Bundesregierung wird aufgefordert, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen den schon jetzt von Menschenhand gemachten und einsetzenden Klimawandel zu stoppen. Sie muss sich verpflichten, auch in Zukunft den Erhalt der Umwelt politisch mit Priorität zu behandeln.


Begründung: Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Bericht bekräftigt, dass der Klimawandel eingesetzt hat (IPCC 2014). „Das Jahr 2014 war im Durchschnitt das wärmste Jahr seit Beginn der regelmäßigen Temperaturaufzeichnungen – weltweit und auch in Deutschland. In der Atmosphäre steigt die Konzentration der Treibhausgase weiter an. Sie nähert sich damit dem kritischen Punkt, ab dem das Ziel der Weltgemeinschaft, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreicht werden kann.“ So beginnt das Vorwort des Berichtes des Umweltbundesamtes 2015.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Erkenntnis, dass das System Erde ein nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und sozial vernetztes System ist, muss die Bundesregierung der Tatsache ins Auge blicken, dass jegliche Form von Schönfärberei und Augenwischerei dramatische Auswirkungen auf das Klima weltweit haben und in letzter Konsequenz jeder einzelne Bürger, ob in Deutschland, Europa, Afrika oder in Asien, der Karibik oder anderswo, betroffen sein wird. Die derzeitige Flüchtlingswelle, zum Beispiel, ist nur ein Indikator für eine der Auswirkungen des Klimawandels.

Um nur einige Bespiele aus dem Bericht des Umweltbundesamtes zu nennen: Nur zehn Prozent der Flüsse und Bäche und nur rund ein Prozent der untersuchten Abschnitte an Nord- und Ostseeküste sind in einem guten ökologischen Zustand. Grund sind vor allem die immer noch zu hohe Nährstoffbelastung des Wassers durch Überdüngung.

Laut Umweltbericht sinken die auf die Einwohnerzahl bezogenen Treibhausgas-Emissionen zwar in Deutschland, sind aber für die Erreichung des 2-Grad-Celsius-Ziels der Weltgemeinschaft zur Verfügung stehende Emissionsbudget noch zu hoch. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen die Industriestaaten ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um bis zu 95 % senken!
Der Klimawandel manifestiert sich schon jetzt – auch in Deutschland – in langsam steigenden Durchschnittstemperaturen sowie durch stärkere Klimaschwankungen und häufigere Extrem-Wetterereignisse wie Stürme, Dürren und Hitzewellen. Inzwischen sind erste Auswirkungen auf die Natur erkennbar, wie z. B. verändertes Brutverhalten der Vögel, zeitlich veränderten Räuber-Beute-Systemen und Nahrungsketten.

Die Arte-Serie „Singvögel in Not“ im September-Programm beleuchtete das weltweite Aussterben der Singvögel. Statistiken zufolge hat sich die Population der Singvögel in den letzten 40 Jahren um die Hälfte reduziert, mit fatalen Folgen für die Nahrungskette. Ornithologen vom Max-Planck-Institut gehen davon aus, dass etwa zehn Milliarden Zugvögel jährlich auf ihrer Reise verenden (Arte). Lichtsmog, Lärm, Umweltverschmutzung, zunehmende Abholzung der Wälder und andere Faktoren spielen bei dem Aussterben der Singvögel eine wichtige Rolle.

Die Notwendigkeit, treibhausgas-neutral zu werden, ist allgemein bekannt und technisch möglich, wie eine Studies des Umweltbundesamtes zeigt. Das allein aber reicht nicht. Das Konsumverhalten der Industriestaaten in Europa, u. a. maßgeblich auch Deutschland, ist auch verantwortlich für die Umweltprobleme in Afrika, Lateinamerika und Asien: Laut eines Berichts von Jean-Philippe Palasi wurde zwischen 1990 und 2008 aufgrund europäischen Konsumverhaltens eine Fläche Tropenwald der Größe Portugals abgeholzt. 80 % der Fläche wird genutzt, um Nahrungsmittel für Europa herzustellen. Dazu zählen Palmöl, Kakao, Kaffee, Soja und Rindfleisch. Hier muss die Bundesregierung, zusammen mit der EU, unterstützende entwicklungspolitische Maßnahmen ergreifen, um die betroffenen Ländern bei der Eindämmung des Raubbaus am Tropenwald zu unterstützen – wie z. B. den Anbau der Güter auf vorhandenen Ackerflächen – und so den Menschen vor Ort zu ermöglichen, den Raubbau am Regenwald zu unterbinden. Es ist hinlänglich bekannt, dass die Regenwälder die Lunge der Erde und die Vernichtung der Regenwälder für die gesamte Erde existenzbedrohend sind.

Die Überfischung und Umweltverschmutzung der Ozeane ist ein weiteres großes, globales, Problem. Als Beispiel sind laut eines Berichts von Fiona Harvey die Population von Tunfisch und Makrelen in den letzten 40 Jahren um 74 % zurückgegangen; die Seegurke, eine asiatische Delikatesse, ist auf 2 % ihres ursprünglichen Bestandes auf den Galapagos Inseln und 6 % im Roten Meer zurückgegangen. Maßnahmen gegen die Überfischung der Meere sind dringend geboten. Der Tourismus, aber auch die Verschmutzung der Meere durch Müll und Plastik, durch Schiffsverkehr, Ölbohrungen und andere kommerzielle Nutzung der Ozeane hat immense Auswirkungen auf das Meeresleben, welche dringend durch politische Maßnahmen begrenzt werden müssen, um das Fortbestehen der Meere zu gewährleisten.

Plastik ist zu einer Nemesis geworden. Es verschmutzt die Weltmeere, Tiere verenden qualvoll, weil sie Plastik fressen; die Weichmacher in Plastik landen im Grundwasser, schädigen die Erbmasse der Lebewesen und haben nicht zu übersehende gesundheitliche Folgen für den Kreislauf der Natur, für Mensch und Tier.

Diese Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt der Umweltprobleme, die unsere moderne Zivilisation und unser Konsumverhalten zur Folge haben. Tagtäglich werden wir mit Horrormeldungen zum Thema Klimawandel und Umweltprobleme konfrontiert. Es gibt Bestrebungen, diese Probleme in Angriff zu nehmen und Lösungen zu finden; diese scheinen jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein.

Die Bundesregierung muss auch den einzelnen Bürger in die Pflicht nehmen. Medienkampagnen können den Bürger auf die Situation des Klimawandels und die Umweltprobleme, seine Möglichkeit und Pflicht, mit seinem individuellen Verhalten zu Nachhaltigkeit beizutragen, aufmerksam machen – jeder einzelne Bürger kann mit seinem Konsumverhalten zum Schutz der globalen Umwelt beitragen, sei es durch Nahrungsaufnahme, Transportmittelwahl, Urlaubsreisen, etc. Jeder kleine Schritt hilft.

Auch die Industrie muss durch die Regierungen in die Pflicht genommen werden. Der Profit allein darf nicht maßgeblich sein, sondern die Bedürfnisse unseres empfindlichen Ökosystems müssen in der Herstellung von Gütern berücksichtigt werden. Am Ende des Tages muss die Devise sein: Geld kann man nicht essen.

Der globale Umweltschutz und das Aufhalten des Klimawandels sind nur in vielen kleinen Schritten in internationaler Kooperation und durch Unterstützung jeden einzelnen Bürgers möglich. Deutschland als Industrieland und als eines der größten Konsumenten von Rohstoffen weltweit muss sich seiner Verantwortung besonders bewusst sein. Es muss größtmögliche Anstrengungen übernehmen, den Klimawandel in all seinen Facetten, mit den unter anderem hier aufgeführten Folgen, einzudämmen und zu stoppen. Deshalb muss Deutschland sich auf dem Klimaschutzgipfel 2015 in Paris – und auch in Zukunft – seiner Verantwortung stellen und sich verpflichten, den Klimawandel und die Umweltzerstörung aufzuhalten

Dieser Text ist als Antrag an den Lübecker Kreisvorstand gestellt worden; dieser hat den einstimmig beschlossen (mit kleinen Änderungen).

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